Die Religion lässt der Freiheit nicht viel übrig, sowohl der Freiheit des WORTES als auch jener des Menschen. Sie hat des WORTES die fundamentale und ewige Dynamik zusammengeschrumpft, gegenüber welcher sie den Menschen gleichgültig gemacht hat. Die Religion hat das, was im WORT nur als Hinweis dient, erweitert, neu formuliert, verordnet; sie hat das, was örtlich und umstandsbedingt ist, verallgemeinert und verewigt; sie hat die Liebe und die Freiheit des WORTES in eine enge Moral verändert; damit hat sie des WORTES Stillschweigen ausgefüllt, dessen Weisheit vergessend. Die Religion ist dem ZORN, den GOTT gegen sie richtet, geschickt ausgewichen. Kurz gesagt, die Religion hat oft fabuliert, weisgesagt und sowohl über das Verhalten und das Schicksal GOTTES — der Elefant (36/10) — als auch des Menschen — der Erhängte (XXX/3) verfügt.
In der Kirche hatte ich nichts anderes als Gewissheiten und auf alles eine Antwort bereit. Vielleicht fühlte ich mich bloss jedem Fehler gegenüber unschuldig. Ich stellte mir selten und undeutlich die Frage über mögliche Fehler und Erdichtungen in der Doktrin. gab es welche, fühlte ich mich nicht darin verwickelt, sie wurden von Gründern, den « Vätern » eingeführt : Ich vertraute auf die innige Gewissheit, dass GOTT meine Unschuld erkennen und mich am Tag meines Todes retten würde. Kam es mir vor darüber nachzudenken, dass einige bedeutende Kirchenleute ihre Machtbefugnisse überschritten hatten, war ich nicht ein vorsichtig gewordener Betrogener (28/5). Als verpflichteter und ergebener Geistlicher betrachtete ich meine Religion als perfekt, die wahrste für den, der « weise » ausliess nachzudenken und genügend « Einsicht » besass, um sich führen zu lassen. Kein Zweifel daran, meine Kirche war im « Vollbesitz der Wahrheit ».
1974 beginnt das lange und mühsame Erwachen meines Gewissens; es wird bis zu den Theophanien andauern, die mich mit gross geöffneten Augen aufstellen werden. Jesus überrascht mich, eingebettet in den theologischen Wolken auf der Spitze meines Felsen von Gewissheiten. Er bläst und schiebt mich bis zum MEER, dem MEER auf dem HÖHEN, das so viel höher ist als Gipfel, zu denen ich mich erhoben hatte. Ich schwimme, ziehe dabei meine Schmuckgewänder (34/2) von Stoff und Geist ab und ringe um LUFT (XXXII/4). Ernüchtert nehme ich die demütigende Unermesslichkeit, die Unergründbarkeit des MEERES, das Unvermögendes menschlichen Schwimmers wahr, es jenseits der unmittelbaren Flut zu erbliken. Es wird mir bewusst, dass ich nichts weiss und das, was ich nun im WASSER GOTTES lerne, alles darstellt, was der Mensch davon wissen kann, den einzigen dem Sünder verständlichen Anteil und nichts mehr. Über diese kleine Flut des Gewissens hinaus laüft das MEER, unermesslich von einer HAND zur anderen HAND des SCHÖPFERS (IV/1). Ich werde mich später als Falke aus der stürmischen Flut meiner Lehre erheben, wenn ich verstanden haben werde, dass ein bisschen Wahres (II/8-9, XX/2) rettet, wenn es erfüllt ist, dass jedoch viel Theologie so sicher wie der Traum irreführt.
Michel Potay
(Auszug)

Bruder Michel, der Zeuge der Offenbarung von Arès
N.B. Diese Seiten wurden der jährlich erscheinenden Zeitschrift « Le Pèlerin d'Arès / Pilger von Arès 1991-1992 », "Wir Glauben, wir glauben nicht" entnommen, (und auch in DER OFFENBARUNG VON ARÈS bilingual französich-english, édizion 1995), Bruder Michel schrieb sie während einer Krankheit, deren Ausgang ungewiss war. Er beabsichtigte, seinen Brüdern und Schwestern eine « Richtlinie der Gewissheit », wie er sie nannte, zu geben und sie anzuregen, die traditionellen, ihrer Mission schadenden, mentalen Reflexe endgültig aufzugeben, welche die Öffentlichkeit als religiöse Propaganda interpretiert.
DER OFFENBARUNG VON ARÈS gibt der Welt nicht eine Religion, sondern das spirituelle Leben.
Das spirituelle Leben bedeutet nicht das Festhalten an Dogmen, an einer Konfession, einer Liste von Verhaltensweisen, die den Menschen allein durch den Glauben und deren Einhalten (Definition von Religion) retten würde. Der wahre Glaube fällt allerdings in einen Rahmen : das WORT GOTTES, aber darin ist der Glaube, konstruktive Treue dem Willen des Menschen, sich selbst zu verändern — die Sünde zu besiegen, vor allem die Sünde gegen die Liebe —, und die Welt zu verändern. Dadurch ist der wahre Glaube weder dogmatisch, noch konfessionell, sondern frei, schöpferisch, evolutiv. Der Mensch, Mitschöpfer der Welt zusammen mit GOTT, muss sich grundsätzlich in Güte, in Liebe, in Intelligenz neu schaffen. Darin liegt der Genius DER OFFENBARUNG VON ARÈS und des gesamten WORT GOTTES seit seinem Anfang.